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Amir Valle
"Habana Babilonia"
Edition Köln 10.2008
ISBN-10: 3936791341
16,90 €

Cuba - "Bordell Amerikas"

von Barbara Keller


Autor Amir Valle ist einer von zwei Millionen im Exil lebender Kubaner. Er wohnt und arbeitet in Berlin. Zwei seiner brillanten Kriminalromane um Teniente Alain Bec, den Kriminalkommissar aus Havanna, wurden hier bereits besprochen. Auch die Abrechnung des Autors mit dem legendären Fidel Castro, erschienen im Jahr 2007, noch vor dem Amtsantritt seines Bruders Raúl. Nun gibt es ein Sachbuch von Amir Valle, erschienen bei der Edition Köln im Oktober 2008 "Habana Babilonia", ein Buch über die Prostitution auf Cuba…
Auch dieses Mal hat Amir Valle gründlich recherchiert. So entstand ein Buch über ein Übel, das es offiziell auf Cuba seit der Revolution 1959 nicht mehr gibt, das aber genuin mit Cuba seit seiner Kolonialisierung verbunden ist.
'Jinetera', so heißen jene kubanischen Frauen zwischen 13 und 30 Jahren, die ihren Körper an zahlende Kunden, vornehmlich Touristen, verkaufen. Amir Valle hat sie, ihre Zuhälter, ihr Umfeld studiert und viele Personen interviewt, als er, seinen Lebensunterhalt bei einer Werbeagentur verdienend, noch in Havanna lebte.

In seinem Buch "Habana Babilonia" lässt Amir Valle diese 'jinetera' zu Wort kommen, sie und weitere, zumeist kleinkriminelle Zeitzeugen. Er flicht die Interviews mit ihnen ein in seine akribisch recherchierte Geschichte der kubanischen Prostitution. Einem Bericht über Jahrhunderte anhaltende sexuelle Ausbeutung und Unterdrückung von Frauen als auch deren geschickte Überlebenstechniken.

Zunächst die der indianischen Frauen, deren Bevölkerung nach einem Jahrhundert bestialischer Drangsalierung durch die spanischen Konquistadoren so gut wie ausgerottet war. Dann die sexuelle 'Nutzbarmachung' afrikanischer Frauen, Kreolinnen, später auch der armen, spanisch gebürtigen, weißen Frauen.

Wer sich die so geschilderte, von Gewalt und Missbrauch geprägte Historie Cubas vergegenwärtigt und die Interviews der Zeitzeugen verinnerlicht, dem leuchtet vielleicht ein, dass sich unter diesen Umständen Prostitution, ein Symptom eines so offensichtlich viel tiefer liegenden Problems, auf Cuba nicht von heute auf morgen verbieten lässt.

Fazit: Mit "Habana Babilonia" entwirft Amir Valle ein alarmierend aktuelles Sittengemälde des postsozialistischen Cuba. Mit Herz und viel Empathie macht der Autor transparent, warum sich die kubanische Gesellschaft mit traurig rasanter Geschwindigkeit heute wieder auf seine 'Qualität' als "Bordell Amerikas" zurückbesinnt.

"Amir Valle, geb. 1967 in Guantánamo, arbeitete als Journalist, Literaturkritiker, Herausgeber. Für seine eigenen erzählerischen Arbeiten wurde er zunächst in Kuba mehrfach ausgezeichnet, betrieb im Internet eine offene, digitale Zeitschrift, die aber schließlich gesperrt wurde. Nach einem Aufenthalt in Spanien wurde ihm die Wiedereinreise verwehrt. Zur Zeit lebt er mit seiner Familie als Stipendiat des Programms writers in exile des P.E.N.-Zentrums Bundesrepublik in Berlin." (... sagt Edition Köln)

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