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krimirezension ab 2003-2013

 

Jean Amila
"Bis nichts mehr geht" (Amilareihe/Bd. 3)
Conte-Verlag 12.2007
ISBN-10: 3-936950-53-9
10,00 €

Auf Gedeih und Verderb

von Barbara Keller


Nomville, Normandie, im Herbst der Goldenen Fünfziger. Das ganz dem Alkohol und der Schieberei mit Selbstgebranntem verschriebene Nomville muss sich gleich zweier schrecklicher Gefahren erwehren: der militanten Abstinenz des neuen Schulfräuleins Marie-Anne Augereau sowie dem Pariser Schmugglerkartell, das den Löwenanteil des Gewinns als Zwischenhändler klar machen will.
Ach ja, die "Guten alten Zeiten", seufz. In "Bis nichts mehr geht", 1958 mit dem Titel "Juscu' á plus soif" erschienen, sind sie noch quicklebendig. Man trödelt vor sich hin in der idyllischen Normandie, in verschlissener Lederjacke, Strickpullover, verbeulter Kordhose, die Fluppe im Mundwinkel, den nächsten Schwarzdeal im Auge, denkt: "Das hat doch Zeit bis morgen!" und schielt den Frauen auf den Hintern. (Als Mann, versteht sich.)

Alkoholismus ist noch ein ganz natürliches, dörfliches Fänomen. Eine lokale Sache, der sich auch ein Pfarrer nach fünf Jahren wackeren Widerstrebens ergibt. Doch selbst als Frau lässt man sich gern gehen und säuft nebenher seinen Schuss mit Kaffee.

Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein im Ort Nomville, in dem es passender Weise gerade Herbst ist. Aber der Schein trügt. Als gerade turnusgemäß eines der hiesigen Dienstmädchen schwanger und betrunken im Dorfteich ihr Ende findet, trifft das neue Schulfräulein, Marie-Anne Augereau im Dorf ein.

Die Zwanzigjährige ist entsetzt über den allgegenwärtigen Alkoholismus und sagt ihm zum Entsetzen der Direktorin Dhozier den Kampf an. - Ausgerechnet dem Dorf-König der Schieber, Pierrot Soulage, muss die junge Frau gleich nach der Ankunft über den Weg laufen. Die Begegnung dieser Ausnahme-Milchgesichter bleibt schicksalhaft.

Während Marie-Anne den folgenschweren Fehler begeht, das Schnapsgebräu ihrer Schülerinnen streng zu konfiszieren, kämpft Pierrot seinerseits gegen ein ganz anderes Fänomen der 'neuen Zeit': das der überregional als auch vertikal vernetzten, korrupten Zwischenhändler. Trotzkopf Pierrot will den guten 75-prozentigen Schwarzen direkt verkaufen, den ganzen Gewinn einstreichen und legt sich damit, ohne es zu ahnen, mit einem gefährlichen, übermächtigen Kartell an.

Fazit: Gute alte Gaunerkomödie im Stil der Série Noire.

"Jean Amila (1910 - 1995) ist nach dem bekannten Léo Malet der zweite französischsprachige Autor der legendären Série Noire. Gallimard präsentierte ihn nach seinem vielbeachteten Debüt 1942 zunächst unter dem amerikanisierten Pseudonym John Amila. Es folgte ein Spitzenkrimi nach dem anderen. Der Conte-Verlag veröffentlicht seine Werke in der Reihe Amila." (... sagt der Conte-Verlag)

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