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krimirezension ab 2003-2013

 

Amir Valle
"Die Wörter und die Toten"
Edition Köln 09.2007
ISBN-10: 3936791368
18,90 €

Der Traum ist aus

von Barbara Keller


Der kubanische Krimiautor Amir Valle rechnet in seinem neuen Roman mit Fidel Castro ab. In "Die Wörter und die Toten" lässt er Fidel Castro sterben und reflektiert in der Figur seines Leibwächters und Sicherheitschefs Facundo Ramirez noch einmal den ganzen Mann und das kubanische Fänomen. Spannend von der ersten bis zur letzten Seite.
Amir Valle - 'berlinkriminell.de' hatte des Autors Kriminalromane wiederholt besprochen ("Türen der Nacht"/Mai 2005, "Wenn Cristo dich entkleidet"/April 2006). Doch jetzt brilliert der Krimiautor und Exilcubaner überraschend in einem literarisch anderen Genre und präsentiert seine persönliche Abrechnung mit Fidel Castro.

Fidel Castro, in der Zwischenzeit 81 Jahre alt, das Urgestein der lateinamerikanischer Revolution, lebt noch immer. Auch wenn man das traurige Gefühl hat, dass es zunehmend still um Cuba und die schöne Vision von einer besseren Welt geworden ist.

Amir Valle macht mit seinem Roman den kubanischen Traum, den großen Befreiungsschlag der Cubaner noch einmal zum Thema und lässt zu diesem Zweck, ein provokanter Trick, den greisen Fidel kurzerhand sterben.

Der große Magier ist tot, was bleibt sind vielerlei Machtgelüste und geballte Ratlosigkeit. Auch Facundo Ramirez, sein Sicherheitschef, ist geschockt. Fidels "Mädchen für alles", der als halbes Kind mit 14 Jahren Bodyguard des großen Mannes wurde, befürchtet einen Putsch Raul Castros, Fidels jüngerer Bruder .

Raul, den man im Volksmund wegen seines Aussehens auch "die Chinesin" nennt, hat Facundos Meinung zufolge aber nicht das Format und das Charisma seines Bruders. Auf den Fortgang der Ereignisse hat Facundo allerdings keinen Einfluss mehr. Von der Regierungsgarde eingesperrt im Büro seines einstigen Chefs lässt Facundo Ramirez, jahrzehntelang unfreiwillig Zeuge geheimer, auch intimster Ereignisse um Fidel, noch einmal die Zeit mit Fidel Revue passieren.

Er thematisiert Fidels persönlichen Umgang mit der Macht, das Thema ETA ebenso wie den geheimen Drogenhandel Cubas mit Afrika. Wusste Fidel Castro von diesen Geschäften? War der Drogenhandel die einzige Möglichkeit, um das durch Embargo und wirtschaftliche Ineffizienz gebeutelte Land mit Medikamenten zu versorgen? Aber warum um alles in der Welt warf Fidel Castro dann seinen General Ochoa der Öffentlichkeit als Sündenbock zum Fraß vor?

Wie stand Fidel Castro zu seinen Freunden, Feinden und Rivalen? War er ein gläubiger Mann, ein Christ, war er ein Mörder? Neben dem Thema Che und Fidels Afrika-Strategie erfährt der Leser von seinem "Spiel mit den Intellektuellen" aber auch von den körperlichen Gebrechen des zunehmend greisen Diktators, seinen ungesunden Tobsuchtsanfällen.

Fazit:
Vom Spiel mit der Macht und seinen Folgen. - Wenn ein Traum Wirklichkeit wird. Allen Krimilesern empfohlen, die gern auch einmal einen Blick hinter die Fassade werfen.

"Amir Valle, geb. 1967 in Santiago de Cuba, lebt in Havanna. Mit seinen Romanen, Erzählungen, Essays und Dokumentationen ist er heute der bekannteste Autor seiner Generation, der bislang außer in Kuba selbst in Kolumbien, Spanien, Puerto Rico, Syrien und Schweden veröffentlicht wurde. Der vorliegende Kriminalroman beruht auf eigenen Recherchen und arbeitet mit authentischem Material. Er ist der Auftakt einer Trilogie um den Kommissar Alain Bec, der von Fall zu Fall drastischer die Wirklichkeit seines Landes erfährt - und um den alten Alex Varga, ein Farbiger, der früher für die Mafia einen Teil der Schmutzarbeit erledigte." (...sagt Edition Köln)

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