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krimirezension ab 2003-2013

 

Patrick Boman
"Peabody geht in die Knie"
Unionsverlag 10.2007
ISBN-10: 3293204066
8,90 €

Ein Fall von Tragweite

von Barbara Keller


Hindustan, Indien um 1900. Im Trog eines Färbers auf dem Basar findet sich der Rumpf eines männlichen Mordopfers. Kurz darauf wird ein notabler Ingenieur der Eisenbahn erdrosselt zur Strecke gebracht. Dabei soll es nicht bleiben. Der skurrile, dicke, Hindu sprechende Inspektor Peabody von der British Raj fällt ein Beweismittel von einiger Tragweite in die Hände und gerät selbst in höchste Gefahr.
Das klappt ja meistens nicht. Mit den historischen Kriminalromanen. Entweder der Historiker geht mit dem Autor zum Leidwesen des gemeinen Lesers durch oder der Ahnungslose schreibt den größten Unsinn zusammen - nun zum Leidwesen des Krimi lesenden Historikers.

Das Schlimmste, was mir in dieser Art einmal unter die Finger geriet, war die zu einem erotischen Krimi aufgeblasenen Nibelungensaga. Da mag ja jedes beschriebene germanische Kurzschwert seinem Original entsprochen haben... Schweigen wir. Es wächst noch immer Gras über diese tiefe Wunde.

Ganz anders Patrick Bomans "Peabody geht in die Knie". Aber vielleicht liegt das auch am Ort. Indien, in dem archaische Armut und Moderne ein unorganisches Ganzes bilden. Oder daran, dass die Jahrhundertwende um 1900 mit der industriellen Revolution nicht ganz so fern liegt wie die germanischen Stammesfehden während der Völkerwanderungszeit.

Worum geht es? In einem Bottich des frommen Färbermeisters Sid ul-Cheyr schwimmt eine kopf- und gliedmaßenfreie Leiche.Vermisst wird niemand. Kann vorkommen, mag die Kolonialverwaltung in Form eines trägen, britischen Beamten denken. Aber nicht so Inspektor Jonathan M. Peabody. Für den 60-jährigen Polizeibeamten aus Mancester sind alle Opfer, ob Briten oder 'Eingeborene' gleich.

Doch dann gewinnt dieser Fall an Brisanz, als auch der notable Ingenieur Miller von der britischen Eisenbahn ermordet aufgefunden wird. Nun steht der dicke, alte Peabody nicht nur zischen Baum und Borke, sondern auch schwer unter Ermittlungsdruck. Bei einer Routinebefragung der frischen Witwe Miller, die ihm seltsam gelassen erscheint, fällt Peabody wie zufällig das Rechnungsheft des Ingenieurs in die Hände: eine hochbrisante Sammlung von Korruptionsbelegen, wie sich herausstellt. Peabody riskiert seinen Kopf, denn nicht nur der Gouverneur hat einiges Interess, dass das Material in der Versenkung verschwindet.

Fazit: Bemerkenswerter Krimi. Kunstvoll ambivalent die Figur des Inspektor Peabody, der sich selbst mit jeder Faser treu und Mensch bleibt. Das ruft nach Serie.

"Patrick Boman wurde 1948 als Kind eines schwedischen Vaters und einer französischen Mutter in Stockholm geboren. Er lebt und arbeitet in Paris. Die stets fesselnden und gewitzten Bücher des viel gereisten Erzählers und Indienkenners haben in Frankreich bereits ein breites Publikum erobert. Patrick Boman wurde 1948 als Kind einer französischen Mutter und eines schwedischen Vaters in Stockholm geboren. Bereits 1950 ließ sich die Familie in Frankreich nieder. Nach einem – nach eigener Einschätzung – wenig fruchtbaren Studium lebte Boman während der Siebzigerjahre auf einer Landkommune in den französischen Cevennen. Nach dieser über ein Jahrzehnt währenden Existenz als Bergbauer versuchte er sich, in die Zivilisation zurückgekehrt, als Supermarktkassierer, Lagerist, Keksindustriearbeiter und in weiteren mehr oder weniger erfüllenden Tätigkeiten. Er bereiste über achtzig Länder, lebt heute in Paris und arbeitet als Chefkorrektor und technischer Redakteur für das Wochenmagazin L’Express.

Patrick Boman veröffentlichte Romane, Erzählungen, Reiseberichte und eine Einführung in die Typografie. Seine gewitzte Krimiserie um den gewichtig seinen Ermittlungen nachgehenden Inspector Peabody, die der Indienkenner Boman in der englischen Kronkolonie um 1900 angesiedelt hat, besitzt in Frankreich eine begeisterte Fangemeinde. Über seinen Inspector beteuert der Autor, dieser sei das Ergebnis einer nachmittäglichen Erscheinung: Unverhofft habe ihn die Vision eines dicken, schwitzenden und auf Hindi fluchenden Kommissars überkommen – ein Geschenk des Himmels." (... sagt der Unionsverlag)

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