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krimirezension ab 2003-2013

 

Harald Poschner
"Türen ohne Klinke" *
Schwarzkopf & Schwarzkopf 2007
ISBN-10: 3896027565
12,90 €

King of the pokey: Intensivtäter for ever

von Barbara Keller


Die Autorinnen Katrin Rohnstock und Barbara Orth wollten es wissen: Sie sprachen mit einem verurteilten Mörder, mit Harald Poscher. Harald Poscher blickt seit seiner letzten Tat, bei der er einen Menschen erstach, und seiner Verurteilung auf eine trübe Zukunft mit langjähriger Haftstrafe und anschließender Sicherheitsverwahrung. Was die Autorinnen in ihren Gesprächen mit ihm im Hochsicherheitstrakt, im Haus ohne Türklinken, erfuhren, lesen Sie selbst...
Nach der Rezension des Sachbuches "Ein unfassbares Verbrechen. Der Fall Monika F." des Autorenduos Harbort/Fischer, das wir in der vergangenen Woche besprachen, hat uns der Zufall die Autobiografie des wegen Mordes verurteilten Häftlings Harald Poschner in die Hände gespielt.

Eine Kollegin holte es aus ihrem Handtäschchen und überreichte es mir mit dem Bemerken: "Lies mal." Und auf Nachfrage: "Große Empathie kommt da bei mir nicht auf." Vielleicht wäre es anders herum besser gewesen. Erst die Perspektive des Täters, dann die eines untröstlichen Opfers.

So fällt es einem noch schwerer, die rund 200 Seiten krimineller Sinngebung eines verpfuschten Lebens zu verdauen. Und stolze Hero-Sprüche wie: "Würde ich die von mir begangenen Straftaten und mein aus Sicht des Systems kriminelles Verhalten hinterfragen, müsste ich mein ganzes Leben in Zweifel ziehen und bereuen. Das kann und will ich nicht."

Na ja. Auch gut. Lesen Sie auf 200 Seiten, wie Harald Poschner in einer bescheiden bemittelten, deutschen Familie mit seinen als pädagogisch hilflos beschriebenen, aber immer loyalen Eltern aufwächst. Wie der unruhige Junge zum Intensivtäter mutiert und völlig haltlos von einer Anstalt in die nächste, später von einem Knast in den anderen wechselt. Nichts im Sinn als Selbstbedienung und Ausbrüche.

Und wie ihm sein letzter Einbruch einen Mord auf seinem übervollen Kerbholz beschert. Bei diesem Bruch entdeckt, sticht Harald Poschner mit tödlicher Wirkung mehrmals auf sein Opfer ein. Bis heute hält Harald Poschner, der sein Leben offenbar ausschließlich im endlosen Kreisen um seinen Bauchnabel und in Haftanstalten verbringt, das bestenfalls für Totschlag. - Ein Mord wird ja auch grundsätzlich mit 'lebenslang' bestraft, während die Freiheitsstrafe bei Totschlag auf 'nur' fünf Jahre aufwärts lautet.

Es ist wirklich schwer, dieses Buch nicht ohne Animositäten zu lesen. Besonders, wenn man einmal in die leeren Augen eines trostlosen Opfers geblickt hat, dessen Leben sinnlos zerstört ist.

Inhaltlich interessant an diesem Buch ist sicher, mit welchen Instrumentarien die Gesellschaft notorisch Straffälligen hilflos begegnet und wie das Leben eines Häftlings aus eigener Perspektive aussieht.

Harald Poschner, der wie eine Wildkatze seine persönlichen Utensilien verteidigt, möchte man wünschen, das Wagnis einzugehen, Empathie auch einmal für andere zu entwickeln. Der Verlust von Fotoalben aus Kindertagen ist gar nichts...


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