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krimirezension ab 2003-2013

 

Wolfgang Kaes
"Herbstjagd"
Rowohlt TB 09.2006
ISBN: 3-499-24183-8
8,90 €

Penibler Jedermann auf "Flittchenjagd"

von Barbara Keller


Im Bonner Herbst 2005 fallen die Mädchen Jasmin Hahne (15) und Anna Wagner (14) seltsamen Entführungen zum Opfer. Die wieder auftauchende Jasmin ist traumatisiert, hat keine Erinnerung. Anna wird wenig später gefesselt und tot aufgefunden. Während sich rund um die Entführungen familiäre Katastrophen ereignen, erkennen die Ermittler erst spät, dass das Kidnapping nur Teil eines perfiden Terrorplans eines psychopathischen Stalkers ist. Doch 'Mario', wie sich der aus dem Internet agierende Täter nennt, ist ihnen immer einen Schritt voraus. Und als 'Carlos' mutiert 'Mario' schließlich zum überzeugten Mörder.

Auch verwickelt und wieder anderspolitisch ist der neue Krimi von Wolfgang Kaes. In ihm geht es dem Autor - neben allgemeinmenschlichen Malessen und den normalen Korrupten - dieses Mal um das Thema Stalking. Ein schwer nachweisbares, vorsätzliches Handeln, das in Deutschland nicht unter Strafe steht, anders als in Österreich beispielsweise als "Beharrliche Verfolgung" nicht bestraft werden kann und damit die Opfer weitgehend allein lässt. Denn so der erste Grundsatz des deutschen Strafgesetzbuches, 'keine Strafe ohne Gesetz'. Dabei ist Stalking keine spinnerte Modeerscheinung und als Tat keine Seltenheit.

Auch in Bonn ist gerade Herbst, der heiße Wahlherbst 2005. Kriminalhauptkommissar Josef Morian kompensiert seine traurige Einsamkeit eines Geschiedenen mit Dauerarbeit, als zwei Mädchen verschwinden. Die 15-jährige Jasmin Hahne, Kind einer allein erziehenden Lidl-Kassierin. Und Anna Wagner (14), die kurz darauf gefesselt und tot im Wald aufgefunden wird.

Das Lockmitttel des Entführers sind die Träume der beiden Kinder: Während Jasmin hofft, einmal ein berühmtes Modell zu sein, möchte das überbehütete Intellektuellenkind Anna eine ganz große Lyrikerin werden. - Doch der Täter tastet beide Mädchen nicht an, obwohl er ihnen die Vergewaltigungsdroge GHB (Gammahydroxydbuttersäure) verabreicht. Seltsam ist auch: Annas Tod war die Folge eines Unfalls. Das gefesselte Mädchen stürzte offenbar unglücklich bei einer versuchten Flucht.

Bald stellt sich heraus, dass die Mütter der Mädchen mit dem seltsamen Mario, einem Charmeur in den Chatrooms des Internets Bekanntschaft machten. Nicht nur digital. Und, dass aus dem galanten Email-Mario schnell ein unheimlicher Mario wurde, nachdem die Frauen ihm den Laufpass gaben.

Während die rasch gebildete Soko dem genialen Datentechniker und Stalker in ihren Ermittlungen kein Stück näher kommt, mutiert Mario nach dem Ableben seiner dominanten Mutter und einigen misslichen Pannen zu Carlos. Carlos, der bereit ist zu töten.

Jetzt brennt endgültig die Luft, der skurrile Stalkingkenner Prof. Dr. Dr. Ansgar Kempkes empfiehlt den Ermittlern umgehend zuzuschlagen und die hübsche Kriminalkommissarin Antonia Dix stellt sich selbstbewusst als Lockvogel für den digitalen Todesengel zur Verfügung. Was weder die Kripobeamten noch Antonia Dix ahnen: auch über diesen Coup ist Mario alias Carlos im Bilde. Und während Antonia, sich in ihrer nicht verschließbaren Wohnung in völliger Sicherheit wiegend, weinselig getürkte Brunftemails verfasst, knarren im Treppenaufgang praktisch schon die Dielen.

Fazit: Ein tüchtiger als auch spannender Krimi, der Ermittlerwirklichkeit, fatale rechtliche Gegebenheiten und mögliche Flairs am Gericht einmal mehr bunt aufschillern lässt.


"Wolfgang Kaes, *1958 in Mayen (Eifel), Studium der Politikwissenschaft, Kulturanthropologie und Pädagogik in Bonn. Anschließend freiberuflich tätig als Polizei- und Gerichtsreporter für den Kölner Stadtanzeiger, Reportagen für den STERN, das Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt und andere. Lokalchef in Bonn für die Rhein-Zeitung, Textchef der Mainzer Rhein-Zeitung, anschließend Wechsel zum Bonner Generalanzeiger, Leiter der Redaktion Panorama/Medien/Justiz." (... sagt der Rowohlt-Verlag)


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