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krimirezension ab 2003-2013

 

Donna Leon
"Blutige Steine"
DIOGENES 05.2006
ISBN: 3-257-06523-X
19,90 €

Fünf dumpfe Schüsse

von Barbara Keller


Was hat der Tod eines jungen Afrikaners auf dem Weihnachtsmarkt des Campo Sante Stefano, Venedig, mit der Schaffung von circa 1.500 Arbeitsstellen in Westafrika zu tun? Kurz vor dem heiligen Fest ermittelt Commissario Brunetti in einem Fall, den niemand recht interessiert. Ein Asylant und Illegaler wird vor den Augen entsetzter amerikanischer Touristen regelrecht hingerichtet. Gerade als Brunetti einen ersten entscheidenden Anhaltspunkt findet, entzieht ihm Chef Patta den Fall. Vor allem Signorina Elettra und schließlich der Conte müssen helfen.

Es ist kalt und ungemütlich in Venedig kurz vor Weihnachten. Trotzdem floriert der Markt auf dem Campo Sante Stefano. Auch die vucumprà, die afrikanischen Asylanten, haben ihre Handtaschen ausgelegt. Als sich eine Gruppe amerikanischer Touristen um sie schart, arbeiten sich zwei 'rücksichtlose Drängler' zu den Verkäufern nach vorn.

Die fünf Schüsse aus den schallgedämpften Pistolen nimmt kaum jemand wahr. Erst als einer der Händler tödlich getroffen zu Boden geht, macht sich Entsetzen breit. - Ein Konkurrenzkampf unter Händlern oder eine ausländerfeindliche Tat?

Brunetti beginnt seine Ermittlungen. Und stößt zunächst auf eine gehörige Portion Desinteresse und Unkenntnis. Signorina Elettra, die wie immer ihrem Computer die wesentlichen Informationen entlockt, kleidet es in die passenden Worte: die Asylanten, die man allesamt für 'Senegalesen' hält, sind wie 'Menschen von einem anderen Stern'. Sie tauchen mit ihren Handtaschen aus dem Nichts auf, um danach darin wieder zu verschwinden.

Auch Brunettis Tochter Chiara mangelt es an Mitgefühl für den toten Afrikaner und löst damit eine mittlere Familienkrise aus. Brunettis Freund Marco, selbst Händler, hat für seine Ressentiments gegen die vucumprà jedoch einen handfesten Grund: sie stehlen ihm fast zehn Prozent seines Umsatzes, ohne Venedig - wie er klagt - irgendetwas von ihrem Gewinn, in Form von Steuern oder ähnlichem zurückzugeben. Die Drahtzieher und tatsächlichen Gewinner indessen wähnt Marco unter den Italienern selbst.

Bei einer ersten Hausdurchsuchung bei den vucumprà in der Via Garibaldi stößt Commissario Brunetti im ärmlich eingerichteten Zimmer des Ermordeten durch Zufall auf einen sensationellen Fund: zwischen den Kristallen einer Salztüte findet er Diamanten. Wie er bald erfährt, von exzellenter Qualität. Ihr Wert: rund 6 Millionen Euro. Brunetti lagert die Steine ohne Wissen seines Brötchengebers bei einem Freund seines verstorbenen Vaters.

Kurz darauf entzieht Chef Patta dem Commissario den Fall, um ihn an das Innenministerium abgeben. Wenig später lässt das Außenministerium die Akten und alle Unterlagen des Falles klammheimlich verschwinden. Der Conte, sein allwissender Schwiegervater, warnt: "Du bis gefährdet!"

Ohne Politik kommt Donna Leon in keinem ihrer Kriminalromane aus. Auch dieses Mal setzt es Seitenhiebe gegen Touristen, die wie gewöhnlich im Weg stehen, dunkle mediterrane Machenschaften und die traurige von Unternehmerwillen dominierte Weltpolitik, gegen die kein Kraut gewachsen ist.

Über deren verschwiegene Hintergründe erfährt der elitärer Commissario Brunetti via Telefonat und Schnellgespräch auf einer wind- und wettergepeitschten Barkasse von seinem einflussreichen Schwiegervater, dem Conte. Glücklich, wer - wie der Commissario - über einen gediegenen bürgerlich pekuniären Background, ein harmonisches Familienleben und nicht zuletzt eine intelligent rücksichtsvolle Frau verfügt, die einen 'wandelnden Magen' wie ihn mittags und abends bekocht.

Votum: Spannend, bildend, tagesaktuell!

Zum Schluss ein kleines Quizz: Was liest der passionierte Hobbyhistoriker Guido Brunetti dieses Mal?

...Auflösung....


"Donna Leon, Geboren am 28.9.1942 in New Jersey. Mit 23 verließ sie New Jersey, wo sie 1942 geboren worden war, um in Perugia und Siena weiterzustudieren. Sie blieb im Ausland, arbeitete als Reiseleiterin in Rom, als Werbetexterin in London und als Lehrerin an amerikanischen Schulen in Europa und Asien. Sie lehrte englische und amerikanische Literatur an einer Universität in der Nähe von Venedig, wo sie seit 1981 lebt. Zu ihrem Erstling kam Donna Leon über ihre Leidenschaft für die Oper. Während des Besuchs einer Probe im venezianischen Opernhaus ›La Fenice‹ ereiferte sich ihr Begleiter: »Ich könnte den Dirigenten umbringen!« – »Ich mach's für dich, aber in einem Roman«, beruhigte sie ihn. Beide kundschafteten das Haus aus, um mögliche Fluchtwege für einen möglichen Täter zu finden, und Donna Leon erfand Commissario Guido Brunetti, um jenen zu fassen. Das Resultat war ›Venezianisches Finale‹." (... sagt der DIOGENES Verlag)

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