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krimirezension ab 2003-2013

 

Stefan Slupetzky
"Der Fall des Lemming"
Rowohlt Februar 2004
ISBN 3-499-23553-6
12,00 €

Ein tapferer Wiener Lemming

von Barbara Keller


Leopold Wallisch - Wiener Kripobeamter - ist entlassen. Er hat es nicht mehr ausgehalten, Krotznigs " Lemming" zu sein. Krotznig ist sein Chef. Ein manierenloses, korruptes Individuum und Rassist. In einem plötzlichen Anfall von Wahrheitsliebe, im Rausch von einigen Bieren, entkleidet Wallisch sich bis auf Adams Haut. Nackt steht er da im Stammlokal der Kripobeamten und geht, ein Monumentalbild pubertärer Renitenz, hinaus in den verschneiten Wiener Winter. Es wird drei Tote geben, 300 Gramm Haschisch im Magen eines Leonbergers versteckt und ...

Jetzt ist Wallisch Privatier. Aber auch als Detektiv der Detektei Cerny & Cerny macht er keinen Schnitt. Friedrich Grinzinger, das von ihm zu beschattende Objekt, wird praktisch vor seinen Augen vom Leben zum Tod befördert. - Das Opfer ist ein alter Mann, ein ehemaliger Lehrer. Am Tatort findet Wallisch eine Hornbrille und einen Veitstänze aufführenden, bekifften Leonberger namens "Castro". Das Rätsel ist perfekt.

Den Fall Grinzinger bearbeitet Wallisch' Ex-Chef Krotznig. Ein Wett-Ermitteln beginnt, in dem Wallisch immer ein wenig die Nase vorn hat. - Natürlich wegen seiner charakterlichen Vorzüge. Seine Nachforschungen führen Leopold Wallisch in eine subalterne Einpaukschule für Knaben. In der von Grintzinger einst geführten Klasse Sieben B des Jahrgangs 62 stößt Wallisch gleich auf zwei Todesfälle. Angebliche Selbstmorde.

Der Schlüssel zum Rätsel sind Neumanns Kaffee, der Iden-Club und schließlich Clubmitglied David Neumann, den es als Fremdenlegionär nach Guayana später als Herrn Diodato nach Italien verschlägt. Die Auflösung all dieser Mysteriösitäten führt über den zu Wurst verarbeiteten schwulen Pribil, der als Belag auf Krotznigs Baguette landet und Streber Söhnlein, der sich mit seinem Peiniger Grinzinger bis zur Selbstaufgabe identifiziert.

Das Finale, der Show Down, findet in einer Gondel des Riesenrads im weltberühmten Pratergarten statt. Am Ende gibt es noch einen Toten und noch ein Liebespaar mehr auf dem Krimiparkours.

"Der Fall des Lemming" ist Stefan Slupetzkys (1962) erster Krimi. Bisher schrieb der Ex-Langzeit-Student der Akademie der Künste (Wien), jetzt freischaffender Autor und Illustrator, mehr für das jüngere Publikum. Darunter Stücke für das Jugendtheater und ein Musical. Mit dem vorliegenden Krimi nähert sich Stefan Slupetzky dem ernsten Stoff auf amüsante Weise. "Der Fall des Lemming" ist spannend zu lesen und der Leser fühlt sich mitten hineinversetzt in das schöne, alte Wien dieser Tage. In die Mentalität und Denkweise seiner Bewohner, seiner kritischen Zeitgenossen als auch seiner architektonischen Präsenz.

S. Slupetzky, Der Fall des LemmingSlupetzkys (Bild links!) "Fall des Lemming" kann auch als idealer Reisebegleiter auf einem Ausflug nach Wien genutzt werden. Gelesen in einem der letzten, vom Aussterben bedrohten Kaffees, bietet der "Lemming" einen ersten tiefen Einblick ins Wiener Lokalkolorit.



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