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krimirezension ab 2003-2013

 

Ullrich Wegerich
"Berliner Blut"
Koenigshausen + Neumann 06.2005
ISBN: 3-8260-3054-0
18,00 €

Moabiter Finale

von Barbara Keller


Es ist ein warmer Spätherbst, als Carmen Schwarzenau, eine auffallend schöne Frau und begnadete Tischlerin, tot auf den Treppen eines Mietshauses in Charlottenburg gefunden wird. Die arg durch private Probleme gebeutelte zweite Mordkommission fischt auffällig im Trüben. Sie klärt den Fall, der sich zunächst als die Tat eines wüsten Immobilienspekulanten darstellt, dann aber doch mit Blaulicht und einiger Verve in der Stephanstraße, Moabit. Krimi-Top10 bei arte, Fundgrube: Krimineuerscheinungen...
Wir werden es ja bald hinter uns haben. Das leidige Thema Mietwohnungen und Sanierungsspekulanten. Wenn erst das letzte öffentliche Hemd verkauft ist, haben wir auch in Berlin endlich eine stabile privatwirtschaftliche Struktur. Der Markt wird sich dann selbst regulieren und der Starke siegen. Schluss mit den Schlupflöchern für Sozialschmarotzer. Wer nicht arbeitet, soll auch nicht wohnen.

Aber auf diese wohltuende Klarheit wird der Berliner wohl noch bis zu den nächsten Wahlen warten müssen. Bis dahin bleibt ihm das alte Lied vom bösen Immobilienhai, der Millionen öffentlicher Fördergelder ganz legal in sein privatwirtschaftliches Täschchen schummelt. - Der Charlottenburger kann mit den Spatzen vom Dach ein Lied davon singen. Und tut es auch.

Es ist Oktober und ein schöner Spätherbst, als die attraktive Carmen Schwarzenau übel zugerichtet und ermordet im Treppenhaus der Gardes-du-Corps-Straße 11, Charlottenburg, gefunden wird. Montagmorgen um 8:00 vom völlig verstörten Hausmeister Otto Schwarz.

Die Nummer Elf ist fast vollständig entmietet und faktisch eine Ruine. Mit Hilfe öffentlicher Gelder versüßte Rechtsanwalt Dr. Meyer-Rogge willigen Mietern den Abschied. Aber Carmen Schwarzenau und der bierselige bayerische Autoschieber Wolfgang Beiss aus der vierten Etage wollen von Auszug nichts wissen. - Nun liegt die schöne Carmen Schwarzenau tot auf den ramponierten Treppenstufen und Wolfgang Beiss bettelt bei der Kripo vergeblich um Personenschutz.

Oberkommissar Robert Mannheim und seine unangepassten Mitarbeiter Birgit Allenare sowie Stefan Schwan hoffen zunächst, den Täter aus dem Teich der Immobilienhaie zu fischen. Aber ihre Ermittlungen schließen auch ein Eifersuchtsdrama oder die Täterschaft eines passionierten Frauenmörders nicht aus. Der Verdacht, dass Carmen Schwarzenaus Tod nur die Overtüre eines frisch aktivierten Serienmörders sein könnte, erhärtet sich, als ihre Kollegin Susanne Klar missbraucht und verstümmelt im Sakrower See geborgen wird.

Robert Mannheim und seine Kollegin Birgit Allenare haben bald eine verschwommene Ahnung, wer der Täter sein könnte. Doch ihnen fehlt jeglicher Beweis. Als Lockvogel begibt sich Birgit Allenare schließlich in eine schicke Moabiter Maisonettewohnung eines noch schickeren Herren und in eine Gefahr, in der sie und Mannheim um ein Haar umkommen.

Votum: Krimi mit gediegenem Lokalkolorit und Pfiff. Sehr amüsant zu lesen. Besuch mal wieder Charlottenburg oder Moabit!

"Ullrich Wegerich wurde 1955 in Mainz geboren, studierte in Marburg und Berlin Soziologie und Philosophie und promovierte mit einer Arbeit über Max Horkheimer. Er arbeitete in diversen Jobs, unter anderem als Sozialarbeiter und Storyliner. Er lebt heute als freier Autor in Berlin." (Verlag Koenigshausen + Neumann)

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