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krimirezension ab 2003-2013

 

Leena Lehtolainen
"Im schwarzen See"
Kindler Verlag 01.2006
ISBN: 3-463-40470-2
14,50 €

Aufgestöbert

von Barbara Keller


An einem kalten Novembertag mit Schneeregen geht die attraktive Vollblutjournalistin Annukka Hackmann in einem See namens Humäljävi südwestlich von Helsinki schwimmen. Einen Tag später treibt sie still auf dem Wasser des Sees dahin: mit Kopfschuss. Elchjäger finden sie. Was zunächst wie ein Jagdunfall aussieht, entpuppt sich als schnöder Mord. Annukka Hackmann schrieb gerade an einer Skandalbiografie des finnischen Rallyestars Sasha Smeds. Brisantes Material erbeutete die investigative Journalistin nicht selten mit ganzem Körpereinsatz. - Verdächtig sind demzufolge viele.

In Leena Lehtolainens Kriminalromanen geht es zu wie im wirklichen Leben. Verrutschte Ouvertüren, dissonante Ausklänge und natürlich: Probleme über Probleme. Nachdem die Chefin des Gewaltdezernats Espoo, Maria Kallio, mit ihrem ergebenen, überwiegend männlichen Mitarbeiterteam den Mord an dem schwulen Stadtrat Petri Ilvesniemi geklärt hat ("Wie man sie zum Schweigen bringt"), schliddert schon der nächste Fall überregionalen Ausmaßes in die Amtsstube: der Mord an Annukka Hackmann.

Als Täter in Frage kommen zunächst Ehemann Atro Jääskeläinen und die 16jährige Stieftochter Sina. Atro, weil seine Frau Annukka sich am Tag vor ihrem Tod mit ihrem Exgeliebten Hannu Kervinen traf. Sina aus begreiflich stieftöchterlichen Gründen. Doch auch der als Pathologe arbeitende Hannu, unter Kollegen liebevoll 'Kadaver-Kervinen' genannt, könnte der Mörder sein. Denn Annukka, die ihn wieder einmal nur ausnutzte, hatte nie vor, ihren Mann zu verlassen.

Einer der Hauptermittlungsstränge fräst sich jedoch an einer ganz anderen Stelle fest: an der Rallyefahrerfamilie Smeds. Eine Familie wie ein Fels der Harmonie in der Brandung der öffentlichen Neugier. Ralleyfahrer Sasha Smeds betreibt mit Frau, Eltern und Bruder einen Ökohof. Smeds steht kurz vor seinem großen Rennen. Der Weltmeistertitel steht auf seiner Wunschliste. Und die Journalistin Annukka Hackmann soll der Öffentlichkeit mit ihrer Promivita das nötige Futter verpassen. Doch Annukka will mehr, sie will Skandale. Und wer suchet, der findet ...

Dezernatschefin Maria Kallio – 38 Jahre alt, seit sieben Jahren mit einem Doktor der Mathematik verheiratet, zwei kleine Kinder und eine noch nicht abbezahlte, ungeliebte Eigentumswohnung - weiß derweil nicht mehr, wo ihr der Kopf steht. Ihr Mann Autti ist nach seinem letzten Job beim Meteorologischen Institut arbeitslos und nörgelt herum. Ihr Chef und Flirtgefährte Jyrki Taskinen weint ihr das Jackett voll. Seine Frau hat Krebs. Und zu guter Letzt hält die neue Mitarbeiterin, Möchtegern-Vamp Ursula Honkanen, nicht, was sie versprach. - Kein Wunder, dass die kleine rothaarige Kripochefin einmal mehr und tiefer als sonst ins Wiskyglas guckt.

Votum: Pfiffig, tief greifend, interessant und natürlich: spannend!


Leena Lehtolainen (*1964 in Vesanto) veröffentlichte bereits mit 12 Jahren ihr erstes Buch. Der Durchbruch als Krimiautorin gelang ihr 1993 mit "Alle singen im Chor". Es ist der erste Krimi, in dem die couragiert sympathische Kommissarin Maria Kallio das Zepter schwingt. Leena Lehtolainen erhielt 1997 den finnischen Krimipreis 'Vuoden Johtolonka'. - Die Autorin arbeitet auch als Literaturwissenschaftlerin und Kritikerin und lebt heute in Degerby, westlich von Helsinki. (... sagt der Kindler Verlag)

Lesen Sie die 'berlinkriminell.de'-Rezension zu:
Leena Lehtolainen, "Die Todesspirale", Rowohlt Februar 2004

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