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krimirezension ab 2003-2013

 

Jay Bonansinga
"Die Eismumie"
Rowohlt TB 01.2006
ISBN: 3-499-24097-1
8,90 €

Der Geist im Dreiteiler

von Barbara Keller


Mit den seltsamen "Sun-City-Morden" stößt Topp-Profiler Ulysses Grove vom FBI offenbar an seine Grenzen. Auch sein Chef Thomas Geisel hält ihn für ausgebrannt und schickt ihn zu einem scheinbar harmlosen Medienjob nach Alaska. Zu seiner Erholung. Doch die 6.000 Jahre alte Mumie, ein prähistorisches Mordopfer, zu dem Grove als Fingerübung für das "Discovery Magazine" ein Mörderprofil erstellen soll, führt ihn geradewegs zum Täter der "Sun-City-Morde".

Dass heilige Orte der Einkehr für Touristen problematisch werden können, hat man schon gehört. Zum Beispiel das 'Jerusalem-Syndrom': Vordem völlig unauffällige Menschen möchten im Angesicht der heiligen Stätte plötzlich und für alle unerwartet predigen und 'verkünden'.

Schlimmer noch psychisch Labile. So wünschte ein sensibles Muskelpaket (jetzt geschlossene Anstalt), einen der tonnenschweren Quader der Klagemauer, weil angeblich am falschen Ort, zu versetzen. Männer fühlen sich plötzlich als biblischer Holofernes, Frauen wollen dringend die Jungfrau Maria sein oder werden.

Auch Mumien haben so ihre Aura. Fluch oder Segen ruht auf ihnen. Manche liegen auch einfach im Museum herum. Und nichts passiert. - Nicht so jedoch im Thriller "Die Eismumie", in dem es zunehmend unheimlicher und schließlich unerwartet magisch zugeht.

Ulysses Grove, Profiler beim FBI, seit vier Jahren Witwer, ist ausgebrannt. Der athletische, attraktive Afroamerikaner hat sich nach dem Tod seiner krebskranken Frau Hannah heillos in Arbeit gestürzt. Gerade beißt er sich an den "Sun-City-Morden" die Zähne aus.

Ein Killer treibt sich herum, der scheinbar wahllos Männer und Frauen mordet. Die Opfer mit der tödlichen Genickwunde bringt der Mörder in eine seltsam barocke Pose. Das Motiv liegt im Dunkeln.

Grove tritt mit seinen Ermittlungen noch immer auf der Stelle, als sein Chef Thomas Geisel - selbst durch Medien und Chefs in die Enge getrieben - ihn resigniert aus der Schusslinie nimmt.

Mit dem Tipp "Ruh dich erst mal aus" schickt er Grove nach Alaska. Dort wartet die aufgeweckte und attraktive Journalistin Mauro County auf seine Unterstützung. Sie schreibt an einem Toppartikel für das "Discovery Magazine" über einen 6.000 Jahre alten Mumienfund. Über eine Mumie mit sumerischen Tätowierungen aus dem Neolithikum, die offenbar ein Mordopfer war. Grove ist mäßig interessiert. - Jedenfalls an der Mumie.

Die erste Leichenschau des Alaska-Ötzi jedoch elektrisiert Grove: dieselbe grotesk rituelle Lage des Leichnam wie die der Sun-City-Opfer. Nun müsste im Grunde nur noch Eins und Eins und Zwei zusammengezählt werden, wenn es denn mit rechten Dingen zuginge.

'ES' ist jedoch nicht der Fall. Zahllose unschuldige Menschen müssen dran glauben bis Profiler Grove sich mit seinen ominösen Schwindelanfällen an die Lösung des Rätsels herangetaumelt hat. - Und verrate ich zuviel, wenn ich hier denunziere: die Mumie und Grove, sie haben dieselbe DNA-Struktur?

Votum: Ein eiskalter, von einem Philanthropen verbrochener Thriller - der richtige Lesespaß nach dem lauschigen Weihnachtshorror!


Jay BonansingaJay Bonansinga wuchs auf in Peoria, Illinois. Er studierte Englisch und lebt in Evanston, Illinois, mit seiner Ehefrau und seinem Sohn.

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