Hier lasen Sie im Herbst 2007 in wöchentlicher Folge Axel Bussmers Debütkrimi "Ein bisschen Luxus". Jeden Montag neu...
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krimidebüt mit folgen...
zur Rezension...
Axel Bussmer, "Ein bisschen Luxus" (21/28)
"Du kannst neben dem Verwaltungsgebäude parken.", sagte Wieland.
"Wird da nicht der Wachdienst etwas dagegen haben?", fragte Diana, während sie den Blinker setzte und in die direkt zur Uni führenden Gießbergstraße einbog.
"Moment." Wieland angelte den Geldbeutel aus seiner Hosentasche.
Echtes Leder, dachte Diana. Nobel.
Er öffnete ihn, holte eine Parkberechtigung heraus und legte sie vorne auf das Armaturenbrett.
"Jetzt nicht mehr.", sagte Wieland, während er seinen Geldbeutel wieder einsteckte. "Einer der Vorteile, wenn man bei der Uni beschäftigt ist. Außerdem ist da jetzt sowieso Platz."
Diana parkte ihren Golf vorwärts ein. Wieland stieg aus und steuerte den Verwaltungstrakt an.
"Einen Moment noch. Ich will kurz in die Leitwarte und was fragen."
"Soll ich mitkommen?"
"Nicht nötig. Bin gleich wieder da." Diana ging die wenigen Schritte zur Leitwarte.
Als er die Tür zur Uni zuschlagen hörte, holte Wieland sein Handy aus der Tasche und wählte Hallers Nummer. Kein Netz. Ebenso bei Lade. Bei Kraft erwischte er die Mailbox.
"Hey, bin noch an der Uni. Ihr könnt mit der Feier ohne mich anfangen."
"Ja, Asta, braver Hund." Diana kraulte den Schäferhund. "Hat sich der Chef die letzten Stunden gemeldet?"
Der Pförtner hob bedauernd die Schultern und schüttelte den Kopf: "Nichts gehört."
"Wollen wir nicht langsam die Polizei rufen?"
"Er bleibt öfters lange im Keller."
"So lange? Ich meine, er ist schon seit heute morgen weg."
"Tja, meistens nicht so lange. Aber vor einem Monat war er über 24 Stunden unten gewesen. Danach kam er ganz verdreckt und erschöpft zurück."
Diana rechnete schnell nach. Vor einem Monat war Robert Brandt verschwunden. Und er war zuletzt in der Uni gesehen worden. "Hat er gesagt, was er unten gemacht hat?"
"Das sagt er nie."
"Nun, wenn sich etwas ergibt, rufen Sie mich bitte an. Ich mache mir Sorgen."
"Nicht nötig. Er kann sich helfen. Und Asta ist hier gut aufgehoben."
"Also, dann gute Nacht."
"Gute Nacht."
"So, jetzt können wir", rief Diana, während sie um die Ecke bog.
"Gut. Dann lass uns da lang gehen.", sagte Wieland und deute in Richtung Bodensee. "Wenn wir über den Innenhof und an der Unikneipe vorbei zum K-Bereich gehen, sind wir schneller da."
"Mir solls recht sein."
Gemeinsam gingen sie durch die Nacht. In den Büros war bereits kein Licht mehr zu sehen. Die meisten Flure lagen, dank einer Zeitschaltung, ebenfalls im Dunkeln. Nur in der Bibliothek waren die Lichter an. Einige, wenige Studierende wandelten, ähnlich Mönchen in ihrem Kloster, durch sie oder lasen an einem der zahllosen Tische ein Buch oder einen wissenschaftlichen Aufsatz. Vorlesungsfreie Zeit im Sommer vor einem Wochenende. Da verirrten sich nur ganz wenige Studierende in die Bibliothek.
Die meisten waren verreist, jobbten oder genossen das Konstanzer Freitag-Nacht-Leben. Wahrscheinlich waren jetzt keine zwei Dutzend Menschen an der Uni. Ein guter Teil davon ging einer bezahlten Arbeit nach. Die anderen wurden um elf Uhr mit dem Schließen der Bib aus der Uni geschickt. In den Semesterferien wurde von der 24/7-Regel abgewichen.
Sie liefen die Stufen zur Uni-Kneipe hinunter. Jedenfalls war dort früher eine Gaststätte gewesen. Die Stufen wurden von der Bibliothek beschienen. In der Lehrbuchsammlung lümmelte ein einsamer Student. Er blätterte gelangweilt durch einen Leitz-Ordner.
"Wohin gehen wir?"
"Das soll doch eine Überraschung werden."
Er ließ den K-Bereich links liegen, nahm sie an die Hand und führte sie etwas weiter, bis sie auf den Bodensee sahen.
"Schön, nicht?"
"Ja.", antwortete Diana. Sie fragte sich, warum er sie hierher geführt hatte. Natürlich der Blick zum See war schön. Er war immer schön. Hier erinnerte er an eine alte Hollywood-Schnulze: mondbeschienenes Wasser, umrahmt von einigen Pflanzen, die ein tropisches Gefühl vermitteln sollten, und dazwischen, weichgezeichnet, ein Liebespaar.
Er nahm ihr Gesicht in seine Hände und küsste sie.
Sein Körper presste sich an ihren. Diana spürte seinen steifen Schwanz durch die luftige, weite Sommerhose. Nach einem kurzen Zögern öffnete Diana ihren Mund und lies ihre Zunge auf seine stoßen. Wenn es den Ermittlungen diente, würde sie auch eine billige Version von Haben und Nicht-Haben nachspielen.
Langsam lösten sie sich voneinander. Sie liebt mich., dachte Wieland nach dem für ihn überraschend intensiven Kuss.
"Und jetzt will ich dir etwas schenken."
Er ging zurück zur Eingangstür vom K-Bereich, öffnete sie mit einem Generalschlüssel und forderte seine neueste Eroberung mit einer devoten Handbewegung zum Eintreten auf. Diana nahm das Spiel an und schritt mit einem dankbaren Kopfnicken hinein. Vor ihr lag ein langer Gang, von dem auf beiden Seiten Türen abgingen, und der sich gut als Strecke für den Hundert-Meter-Lauf der deutschen Meisterschaften eignete.
"Soll ich mir jetzt die Augen verbinden?"
"Aber nein. Warst du schon einmal hier?"
"Nein. Wenn ich an der Uni bin, bin ich normalerweise in der Bib. Und jetzt, bei den Ermittlungen, habe ich auch den Keller kennen gelernt."
"Und da werde ich dir etwas zeigen."
"Fein. Aber warum haben wir dann nicht den anderen Eingang benutzt?"
"Na, weil das." Er zog sie an sich heran und küsste sie wieder. Während sie leidenschaftlich seinen Kuss erwiderte zwinkerte er mit seinen Augen. Spielte sie? Oder waren ihre Augen zu? Sie waren geschlossen. Langsam lösten sie sich voneinander. "Mit Blick auf den See einfach romantischer ist."
Sie fuhr mit ihrer Zungenspitze über ihre Lippen: "Oh, ja."
"Wir müssen einige Meter gehen. Ich hoffe, du hast keine Angst."
"Sollte ich?"
"Aber nein."
Er schloss eine Stahltür auf, hielt ihr wieder die Tür auf und ließ sie zuerst eintreten. Langsam, Arm in Arm, gingen sie den Gang hinunter. Diana hoffte, dass er sie zu einem der ihr bis jetzt nicht bekannten Verstecke führte. Und sie hoffte, ihn nicht mehr allzu oft küssen zu müssen. Er war ein guter Küsser. Aber sie war in festen Händen und hatte keine Lust auf eine irgendwie geartete freundschaftliche, besonders sexuelle, Beziehung zu einem Verbrecher.
Das war ein Teil ihrer Erfahrungen, die sie heute nicht wiederholen wollte.
Fünf Küsse später sagte er: "Und hier ist mein kleines Reich."
Schwungvoll öffnete er eine Gitter-Tür. Dahinter lag ein auf den ersten Blick normaler Lagerraum mit weiteren, durch Stahlgitter, getrennten Bereichen für verschiedene Professoren. In den einzelnen Räumen stapelten sich die Diana aus anderen Lagerräumen bekannten chaotischen Mischungen aus alten Büromöbeln, ausrangierten Computern und mit Leitz-Ordnern gefüllten Umzugskisten.
"Äh?"
"Aah, du darfst nicht dem äußeren Schein vertrauen." Wieland fiel in einen leicht deklamierenden Ton. "Die Geheimnisse offenbaren sich nur dem geübten Auge. Komm mit, holde Maid."
"Nun, dann los."
Er schritt zu der dem Eingang gegenüberliegenden Seite des Raumes, bis er im hinteren Drittel vor einer Tür stehen blieb, diese öffnete und Diana hinein bat.
"Deine Wände sind leer." Wieland zog eine viereckige Tafel hervor. "Nun, schließe die Augen."
Diana verschloss ihre Augen. Sie hörte, wie Wieland anscheinend weitere Tafeln aus einem Regal zog, auf den Boden stellte und anschließend die sie umhüllenden Decken auf den Boden fallen ließ. Insgesamt dreimal.
"Jetzt darfst du sie wieder aufmachen." Er schnippte mit seinen Fingern.
Diana tat es. Vor ihr, auf dem Boden, standen drei impressionistische Landschaftsbilder. Den Monet erkannte sie sofort. Ein anderes Bild hielt sie für einen Cézanne.
"Wow."
"Welches willst du?"
"Aber." Diana ging vor den Bildern in die Knie. Natürlich konnte sie nicht feststellen, ob die Gemälde echt oder Kopien, vielleicht sogar Fälschungen, waren. Die Signaturen waren jedenfalls die der Maler. Wie sie vermutet hatte, war es ein Cézanne. Wenn es Fälschungen waren, waren es verdammt gute Fälschungen. "Das geht nicht. Die sind bestimmt unglaublich teuer."
Diana stand wieder auf, klopfte sich den Staub ab. "Obwohl es nur Kopien sind, sind sie zu teuer. Das kann ich nicht annehmen."
Wieland war fassungslos. Nicht, dass sie sein Geschenk im ersten Moment ablehnte. Das hatte er erwartet. Das war schließlich eine ganz normale Reaktion. Ein Akt der guten Sitten. Nein, sie hielt diese Bilder für Fälschungen. Was dachte sie von ihm? Dass er ein kleiner billiger Aufschneider war? Einer, der seine Wohnung mit Talmi pflasterte, um Eindruck zu schinden? Er schluckte, hielt die Luft an und zählte langsam bis zehn. Währenddessen öffnete er seine Hände und ballte sie wieder zu Fäusten. Langsam atmete er aus. Dann sagte er, jedes Wort betonend: "Die sind echt."
"Ja, aber,dann geht es erst recht nicht. Ich kann doch keinen echten Monet in mein Schlafzimmer hängen."
"Warum nicht?"
"Äh.", setzte Diana an. Schwieg dann, zuckte mit den Schultern, fuhr sich durch ihre Haare: "Keine Ahnung. Es ist nur, das Bild wäre teuerer als mein ganzes Haus. Die Versicherung. Die Alarmanlage."
"Ach, Liebling. Wer würde schon glauben, dass du jeden Morgen als erstes auf einen Monet blickst?"
"Niemand."
"Na, also." Er gab ihr einen weiteren Kuss. "Und du bist es mir wert."
Aber du mir nicht., dachte Diana und rammte ihr rechtes Knie in seine Eier.
"Uah.", stöhnte Wieland und stolperte mit schmerzverzerrtem Gesicht durch die Kammer. "Warum?"
"Dachtest du wirklich, ich würde für dich meinen Freund verlassen?"
"Ja."
"Trottel." Sie versetzte ihm einen kräftigen Tritt in den Bauch.
"Das war alles gespielt?"
"Natürlich. Was hast du denn gedacht?"
Wieland schüttelte den Kopf.
"Tja." Diana fasste ihn im hinteren Halsbereich an und drückte fest zu. Ohne ein weiteres Geräusch von sich zu geben, sank Wieland ohnmächtig auf den Boden.
Diana stand kopfschüttelnd über ihm. Was für ein Trottel. Sie schnappte sich eine Kordel, fesselte seine Hände auf dem Rücken und band ihn an ein das stabile Regal. Keine Fesselung für die Ewigkeit, aber mehr als ausreichend für die wenigen Minuten, bis sie mit der Polizei zurückkam.
Der Monet würde wirklich ausgezeichnet in meinem Schlafzimmer aussehen., dachte Diana, während sie Wielands Schlüssel suchte.
Sie fand ihn auf dem Boden, neben dem dritten Gemälde. Pissarro las sie. Noch ein nicht ganz billiger Impressionist.
Diana schloss hinter sich die Tür und ging, ohne nach links oder rechts zu sehen, zum Ausgang. Fall gelöst. Den Rest konnten die Polizei und die Staatsanwaltschaft besser erledigen. Sie formulierte im Kopf bereits ihre Aussage.
Gut zwei Meter davor versperrten ihr zwei Männer den Weg. Peter Lade und Fritz Haller. Den dritten bemerkte sie erst, als ihr ein Schlag in ihre Kniekehlen die Beine unter ihrem Körper weg schlug und sie unsanft auf dem Rücken landete. Über ihr stand Lothar Kraft.
"Oh, Mann. Die macht nur Ärger.", sagte er, während er sie auf den Bauch drehte und mit einem Polizeigriff hochhob. Diana stand auf. Etwas anderes blieb ihr bei diesem Griff auch nicht übrig. "Dann wollen wir mal sehen, wie es Klaus geht."
Zu viert gingen sie zu Wieland.
"Manmanman, da bietet er dir so schöne Bilder an, und du schlägst ihn dafür.", sagte Lade, als sie vor dem Gitter standen. Er steckte seinen Schlüssel in das Schloss und drehte ihn um. "Ich denke, er hätte dir alles gegeben."
"Er ist ein Dieb.", knurrte Diana durch ihre zusammengebissenen Zähne.
Haller kniete vor Wieland und gab ihm leichte Ohrfeigen, bis dieser ein Geräusch von sich gab.
"Aberaberaber. Bis jetzt vermisst niemand die Bilder.", sagte Lade. "Keiner der Besitzer hat eine Anzeige erstattet."
"Ist trotzdem ein Diebstahl.", sagte Diana.
"Hm. Wahrscheinlich ja. Aber ist ja eigentlich auch egal.", sagte Lade.
"Gehts wieder?", fragte Haller. Kraft schnitt mit seinem Taschenmesser Wielands Fesseln durch.
Wieland zwinkerte mit den Augen, stöhnte, fuhr sich mehrmals kräftig mit seinen Händen durch sein Gesicht. Langsam kehrte sein Bewusstsein wieder zurück. Mit ihm auch die Schmerzen. Diese Schlampe hatte wirklich kräftig zugetreten. Die Ausbildung bei den Bullen war doch besser, als er gedacht hatte. "Ja. Irgendwie."
"Schau mal, wen wir hier haben.", sagte Lade.
"Oh, gut." Mit der Hilfe von seinen beiden Freunden Fritz und Lothar stand er auf und ging, immer noch leicht gebeugt von den Schmerzen, zu Diana. "Undankbare Schlampe."
Er gab ihr mit all der Kraft, die er noch hatte, eine kräftige Ohrfeige. Ihr Kopf flog zur Seite. Ihre linke Backe und ihr Ohr schmerzten. Sie sagte nichts. Sie wartete. Nicht auf die Ereignisse, die demnächst so sicher wie das Zwölf-Uhr-Geläut der Kirche kämen, sondern auf eine Gelegenheit zur Flucht.
"Passt bloß auf sie auf.", knurrte Wieland. "Die ist ein Biest."
"Dein Typ.", sagte Lade mit dem Anflug eines Lächelns.
"Nicht, wenn sie unser Unternehmen bedroht.", antwortete er.
"Also gut.", sagte Haller. "Dann muss sie eben auch sterben."
"Leider. Aber wer mein Angebot so eindeutig ausschlägt, hat Pech gehabt."
"Nur wie?"
"In deinem Auto. Du fährst doch eh zum Krematorium."
"Schon. Aber der Sarg ist voll. Und ich will sie nicht daneben legen. Wenn ich dann angehalten werde und die Bullen einen Blick nach hinten werfen, ist es aus."
"Wir können ihre Kiste nehmen. Ist zwar nur ein Golf. Aber im Kofferraum ist genug Platz. Außerdem muss das Auto auch verschwinden."
"Dann bleibt nur noch die Hundertausende-Euro-Frage übrig, ob sie jetzt oder später sterben soll."
"Nun, ich würde sagen jetzt."
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Axel Bussmer beim Ausbrüten feinteiliger Straftaten (rein literarischer Natur)
AXEL BUSSMER
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INTERVIEW
(mit ULrike Duchna, Franka Plaschke und Barbara Keller im AREMA/Moabit
vom 31.07.2007...)
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