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Hier lasen Sie im Herbst 2007 in wöchentlicher Folge Axel Bussmers Debütkrimi "Ein bisschen Luxus".
Jeden Montag neu...

krimidebüt mit folgen...

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Axel Bussmer, "Ein bisschen Luxus" (2/28)


Kapitel 2

Diana drehte den Brief unschlüssig herum. "Aber das hat ihr Sohn geschrieben?"
"Ja."
"Nur â normalerweise schreibt er gerade. Sehen Sie, wie schwankend die Zeilen sind. Und dann dieses Zittern hier. Außerdem werden die Buchstaben kleiner und größer. Das ist alles vollkommen untypisch für Robert. Er ist stolz auf seine akkurate Schrift."
"Seine Lehrer meinten immer, seine Arbeiten seien am leichtesten zu lesen. Bei ihm könnten sie immer alles lesen und müssten nicht raten."
"Aber hier. Sogar sie glauben, er hätte ihm und ihr verwechselt."
"Das ist einfach nicht seine Art."
"Hm."
"Wir haben Angst."
"Nun, was hat die Polizei ermittelt?"
"Wenig. Robert ist einfach spurlos vom Erdboden verschwunden. Er tauchte nicht mehr in seiner WG auf, benutzte auch nicht seinen Pass."
"Das sagt nichts. In die Schweiz gehtâs meistens ohne große Kontrollen und dank Schengen kann durch ganz Europa gefahren werden. Bis runter nach Griechenland. Nach Osten habe ich keine Ahnung. Jedenfalls, wenn er in kein Visa-Land gefahren ist, muss er seinen Ausweis niemandem zeigen."
"Außerdem hat er seit einem Monat sein Konto nicht mehr benutzt."
Diana nickte langsam. Sie alle wussten, was das wahrscheinlich bedeutete. Robert war tot. Die Polizei wartete einfach ab, bis jemand seine Leiche fand. In irgendeinem Gebüsch. Und bis dahin würden die Eltern mit der Ungewissheit leben müssen. Vielleicht lebte ihr Kind noch. Vielleicht war er untergetaucht. Verschwunden. Immerhin verschwanden jedes Jahr mehrere Tausend Menschen ohne eine Spur zu hinterlassen und niemand suchte nach ihnen. Warum auch? Sie zogen einfach um und meldeten sich nicht wieder. Dem Staat war das egal. Die Eltern machten sich Sorgen. Oder auch nicht.
"Wir wollen Gewissheit.", sagte Jürgen Brandt. Seine Frau nickte. Diana bemerkte die Ringe unter ihren Augen. Sie hatte schon angefangen zu trauern.
"Gut. Ich werde mich einmal umhören.", sagte Diana. Sie bemühte sich um einen vertrauenserweckenden und zuversichtlichen Tonfall. Innerlich verfluchte sie sich und ihren früheren Chef. Denn Vermisstenfälle dauerten meistens ziemlich lange. Dabei war es egal, ob der Vermisste verschwunden oder ermordet war. Ohne einen Anhaltspunkt würde sie eine Stecknadel in einem Heuhaufen suchen. Allerdings wusste sie noch nicht einmal, in welchem Heuhaufen sie suchen sollte.
Aber sie war Hans Dengler noch etwas schuldig. Und sie wollte wenigstens versuchen, die Brandts aus ihrer quälenden Ungewissheit zu erlösen. Für sie wäre jede Nachricht eine gute Nachricht.
Isabelle Brandt holte mehrere Blätter aus ihrer Tasche und gab sie Diana. "Das sind verschiedene Adressen."
Diana nahm das Blatt in ihre linke Hand. Es war ein Computerausdruck. Times New Roman, 12-Punkt â die Standardschrift. Auf ihm standen Roberts Konstanzer Adresse. Er wohnte in der Cherisy-Kaserne, seine Bankverbindung, Professoren, Freunde und der Name des ermittelnden Beamten, Linus Schroff, mit seiner Telefonnummer. Diana würde sich bei ihrem Freund Jörg Dessau über dessen Kollegen erkundigen.
Danach gab sie Diana einen Schlüssel. "Von seiner Wohnung."
Diana legte ihn auf den Tisch.
"Wir waren vorher in der Wohngemeinschaft. Da fanden wir Roberts Zweitschlüssel in seinem Schreibtisch."
"Es war seltsam."
"Was, Herr Brandt?"
"Nun, natürlich war bereits die Polizei da gewesen und wir auch."
Isabelle Brandt unterbrach ihn: "Wir haben Robert vor drei Wochen als vermisst gemeldet. Das war sofort nachdem wir seinen Brief bekommen hatten. Ich rief dann in Konstanz an. Aber er nahm nicht ab. Es war nur die Mailbox. Ich sagte ihm, er solle zurückrufen. Bestimmt ein halbes Dutzend Mal in den folgenden Tagen. Aber Robert rief nicht zurück. Dann probierte ich es in der Wohngemeinschaft. Die wussten nicht, wo Robert ist. Sie hatten ihn seit ungefähr einer Woche nicht mehr gesehen. Danach probierte ich es wieder auf der Mailbox. Aber sie war voll."
"Hat die Polizei das Handy gefunden?"
"Ja. Nach längerem Suchen."
"Es lag in der Cherisy-Kaserne in einer Mülltonne."
"Das kann wieder alles und nichts bedeuten."
"Das hat Herr Dengler auch gesagt. Eine Mülltonne sei zwar ungewöhnlich, aber Handys gingen öfters verloren und die Besitzer würden sich dann einfach ein neues kaufen."
"In jedem Fall hilft es nicht weiter."
Die Brandts nickten traurig.
"Hat die Polizei â", Diana nahm das Blatt mit den Adressen wieder in die Hand und suchte den Namen des Polizisten. "Ah, hier, Linus Schroff in Roberts Wohnung etwas bemerkt?"
Diana fragte sich, ob dieser Schroff mit dem Partyservice Schroff verwandt war.
"Nichts. Absolut nichts."
"Hm. Und ihr Eindruck von der WG?"
Jürgen zuckte ratlos mit seinen Schultern.
Isabelle sagte: "Er hat nichts mitgenommen. Ich weiß zwar nicht genau, was für Kleider er hat, aber der Schrank war voll. Sein Computer war da. Auch sein Laptop. Der Fotoapparat. Die Zahnbürste."
"Er könnte sich eine neue kaufen.", versuchte Diana die Eltern zu beruhigen.
"Sein Geldbeutel war weg. Und mit ihm sein Pass, die Bankkarte und was er sonst noch in ihm hatte. Ob sonst noch etwas fehlt, wissen wir nicht."
"Ich sehe mir später die Wohnung an." Diana sah kurz auf ihre Armbanduhr. Es war bereits nach sechs Uhr und ihr Magen knurrte. "Wollen wir nach vorne zum Seegarten gehen und etwas Essen? Dann können sie mir mehr über Robert erzählen."
Roberts Eltern nickten.
Bevor sie aufbrachen, rief Diana Jörg Dessau an und sagte ihm, sie sei mit zwei Klienten im Seegarten-Restaurant.

Zehn Minuten später saßen sie auf der Terrasse des Seegarten-Restaurants und warteten auf die Bedienung. Währenddessen erzählten Isabelle und Jürgen Brandt von ihrem Sohn. Nach ihren Erzählungen war er ein normaler Junge. Er hatte nach dreizehn Schuljahren sein Abitur gemacht, dann seinen Wehrdienst abgeleistet, sich sogar auf zwei Jahre verpflichtet und sich währenddessen die Universität ausgesucht. Auf Konstanz fiel seine Wahl aus einem ganz einfachen Grund: sie erhielt in allen Rankings gute Noten. Für seine spätere Karriere konnte das nur vorteilhaft sein. Er wollte irgendetwas im Bereich Lobbying und Politikberatung machen. Was genau wusste er noch nicht. Aber seine Interessen gingen eindeutig in eine Stelle bei einem Wirtschaftsverband oder einem Lobby-Verband der Wirtschaft.
Der Kellner kam und sie bestellten das Tagesgericht. Maultaschen. Diana für sich ein Viertele, Robert Brandt ebenso und Isabelle Brandt ein Glas Wasser.
"Warum studierte er nicht Volkswirtschaft?", fragte Diana. Während sie die Frage stellte, biss sie sich innerlich auf die Zunge. Sie sprach von Robert, als ob er bereits tot sei.
"Volkswirte erhalten inzwischen nur noch schlecht eine Stelle. Betriebswirtschaft war ihm zu banal. Außerdem gibt es dafür keine wirklich guten Universitäten in Deutschland. Und die Juristen haben ähnliche Probleme.", sagte Jürgen Brandt. Auch er hielt seinen Sohn bereits für tot. "Nein, der Konstanzer Studiengang ist der beste. Besonders wenn es um die Analyse von Politik geht. Konkrete, anwendungsbezogene Politikanalysen. Ich wollte es zuerst auch nicht glauben."
"Sie sagen, er studiert schnell."
"Es macht nichts, wenn Sie von Robert in der Vergangenheit sprechen.", sagte Isabelle Brandt, während sie versuchte, ihre Tränen zurückzuhalten. "Wir hoffen, dass er nur verschwunden ist. Aber â wir glauben es nicht."
Sie holte ein Taschentuch aus ihrer Tasche und schnäuzte sich kräftig. Danach trocknete sie ihre Tränen. "Entschuldigung."
"Das macht nichts.", sagte Diana.
"Wir wären froh, ihn wieder umarmen zu können." Jürgen Brandt wandte seinen Blick zum Gnadensee.
Ob der See gnädig wäre zu den Eltern von einem vermissten Studenten? fragte sich Diana. Und ob sie für die Eltern die richtigen Antworten finden könnte? Sie wusste es nicht. Sie hatte noch keine Ahnung, was sie finden könnte, was die Polizei mit ihren tausenden von Männern, ihrem Zugriff auf verschiedene Datenbanken, ihren Laboren und Spezialisten nicht gefunden hatte. Sie hatte ihre Nase. Sie verbiss sich in eine Sache. Sie war unabhängig. Sie konnte nach ihrem Gefühl vorgehen. Benötigte keine Durchsuchungsbefehle. Musste keine Beweise für eine Gerichtsverhandlung sichern. Aber war das genug?
Der Kellner brachte die Getränke und bemühte sich die Trauer am Tisch zu ignorieren. Es gelang ihm leidlich.
"Er wollte im Wintersemester seine letzten Scheine machen und sich dann für die Abschlussprüfung anmelden.", fuhr seine Frau fort. "Er dachte schon über sein Thema nach. Eine Umfrage über den Einfluss von Wirtschaftsverbänden auf die Formulierung der Politik."
"Er hatte sein Praktikum beim BDI gemacht und danach den Kontakt gehalten. Ich glaube, er hatte ziemlich gute Chancen für eine Stelle bei denen."
"Sie sind Gewerkschaftler?"
"Ja. Wie fast alle in der Verwaltung."
Diana nickte. Jürgen Brandt hatte seine Stelle in den goldenen Zeiten der Mauer bekommen. Damals war die Verwaltung der wichtigste Arbeitgeber. Jeder wurde verbeamtet und erhielt ein üppiges Gehalt. Nach dem Fall der Mauer hatte sich in der neuen Hauptstadt einiges geändert, aber der Filz blieb. Dabei war es egal, ob die Stadt gerade von der CDU oder der SPD regiert wurde. Vollversorgung für alle stand auf dem Programm.
Der Kellner brachte ihnen die Maultauschen. Während des Essens sprachen sie weiter über Robert.
"Er hat an der Uni gejobbt. Wissenschaftliche Hilfskraft. Hat Kurse geleitet und verschiedenen Professoren beim Vorbereiten geholfen. Und seit Januar als Nachtwächter. Ein, zwei Nächte in der Woche. Er war schon immer eine Nachteule und er sagte, wenn er sowieso in der Uni sei, könne er genausogut durch sie gehen. Aufpassen, dass nichts verschwindet und in aller Ruhe Texte kopieren."
"Als wir studierten, mussten wir für Bücher immer einen Bestellschein ausfüllen und dann warten."
"Außerdem war die Bibliothek nach sechs Uhr zu. Danach schloss der Hausmeister alles ab."
"Aber in Konstanz ist die Universität immer auf. Sogar die Bibliothek. Er geht zwar nachts durch die Uni, aber er ist eher so etwas wie ein Wachdienst. Keine schwere Arbeit. Eigentlich sogar überflüssig, wenn nicht manchmal etwas geklaut würde und sie nicht billiger sind als Beamte."
"In der Leitwarte machen sie inzwischen auch einige Serviceleistungen. Bücher annehmen. Pizza bestellen. Und so etwas.", sagte Diana. Sie selbst gab öfters nach elf Uhr Bücher ab.
"Wahrscheinlich könnten sie sonst die Bibliothek nicht rund um die Uhr auflassen."
"Hat er etwas über seine Arbeit erzählt?"
"Nichts."
"Nur, dass sie ziemlich langweilig ist."
Diana nickte. Sie würde später nachprüfen, ob in den Tagen, in denen Robert zuletzt gesehen wurde, ein Diebstahl oder eine andere Straftat in der Universität gemeldet wurde. Sie hielt es nicht für ausgeschlossen, dass er in der Nacht etwas gesehen hatte und deshalb sterben musste. Aber gleichzeitig hielt sie das für ziemlich weit hergeholt. Selbst in Berlin ergriffen Einbrecher und Diebe, wenn sie entdeckt wurden, normalerweise sofort die Flucht. Ebenso der Vergewaltiger, den sie eines Nachts im Tiergarten gesehen hatte. Sie hatte ihn verfolgt. War ihm nachgelaufen, bis er sich in die Büsche schlug und verschwand. Später sagte sie sich, sie hätte ihn einfach ohnmächtig schlagen sollen, anstatt ihm zuzurufen, er solle aufhören.
"Und was hat er Abends gemacht?"
"Er erzählte öfters von Konzerten im KuLa.", sagte Isabelle Brandt. "Kennen Sie ihn?"
"Ja. Kulturladen. Ist in der Cherisy-Kaserne und ist ein alternatives Kulturzentrum mit einem großen Konzertsaal. Hauptsächlich Rockkonzerte."
"Und dann war er öfters in der Stadt. In der Seekuh, Hafenhalle, Zeitlos, Schmittâs, Tequila Pub.", sagte Isabelle Brandt, ohne eine Sekunde nachzudenken. Sie hatte, zusammen mit ihrem Mann Jürgen, in den vergangenen Wochen alle Informationen über Robert zusammengetragen und der Polizei gegeben. "In letzter Zeit auch im Matrix."
"Das sind eigentlich normale Studi-Kneipen. War er auch in Zürich?"
"Ja. So ein, zweimal im Monat. Er ist dann immer mit einigen Studi-Freunden hingefahren. Ich habe Ihnen die Namen aufgeschrieben."
Diana nickte, während sie bei dem Wirt ein weiteres Viertele bestellte indem sie mit ihrer Rechten auf ihr leeres Weinglas deutete.
"Hat er ein eigenes Auto?"
"Einen alten Golf.", sagte Robert. "Er hat ihn mit dem Entlassungsgeld von der Bundeswehr gekauft."
"Wo ist es?"
"Auf dem Parkplatz vor der Cherisy-Kaserne."
"Hat er auch ein Fahrrad?"
"Ja. Es steht in seiner Wohnung."
Der Kellner brachte den Wein. Die Brandts bestellten Wasser. Inzwischen saßen an den anderen Tischen Touristen.
"Hat er vor seinem Verschwinden irgendetwas gesagt? Von einem neuen Freund erzählt? Eine Bekanntschaft erwähnt?"
"Nein."
"Oder hat er von irgendwelchen Plänen erzählt?"
"Nein."
"Wollte er irgendetwas unternehmen?"
"Nichts Besonderes. Er wollte zu einem Konzert gehen. Ins Kino. Hausarbeiten schreiben. Für die Prüfungen lernen."
"Oder hat er von irgendetwas erzählt?"
"Was?"
"Nun, hatte er vielleicht plötzlich Interesse an etwas, was ihm vorher egal war? Wollte er mit Ihnen über etwas reden?" Diana beugte sich vor. "Wissen Sie, alles kann wichtig sein. Und ich suche immer noch einen Ansatzpunkt für meine Ermittlungen."
"Eine heiße Spur?"
"Genau, Herr Brandt.", antwortete Diana. Selbst die vor vier Wochen heißeste Spur war inzwischen kalt. Aber alles wäre mehr als nichts.
"Wir haben Ihnen alles gesagt, was wir wissen."
"Gut."
Diana fragte sie noch eine gute Stunde aus. Aber sie erfuhr nichts Neues mehr. Morgen würde sie mit Linus Schroff reden und sich Robert Brandts Wohnung ansehen. Heute konnte sie nichts mehr unternehmen, außer sich von der untergehenden Sonne wärmen zu lassen und auf Jörg warten.

Bevor Jörg sich kurz nach neun Uhr zu Diana setzte, bestellte er sich beim Kellner ein Weizenbier.
"Wieder drei Überstunden, die ich niemals bezahlt bekomme."
"Was war los?"
Jörg winkte müde ab: "Protokoll nach einem Verhör. Zuerst dachten wir, es sei nur ein normaler Ladendiebstahl, aber dann öffneten wir seinen Kofferraum und entdeckten ein gestohlenes Gemälde. Mondrian, glaube ich."
Jörg riss dem Kellner fast sein Bier aus der Hand und nahm sofort einen großen Schluck. Dann winkte er ihn wieder zurück: "Können Sie mir eine Kleinigkeit machen?"
"Sie wollen die Speisekarte?"
"Ich habe seit dem Mittagessen nichts mehr gegessen."
Der Kellner sah Jörg ausdruckslos an: "Nun, wir hätten -"
"Bringen Sie ihm einfach das Tagesgericht.", unterbrach Diana ihn.
"Gut.", sagte die Bedienung und verschwand.
"Warum bist du so unhöflich?"
"Tschuldigung. Ich muss mich nur von dem Typen abreagieren."
"So schlimm?"
"Uh, ja."
Diana hatte in ihren Jahren bei der Berliner Polizei genügend Menschen, die nach normalen Maßstäben verrückt waren, kennen gelernt. Die netten Verrückten lebten einfach ihr Leben im Kiez und störten niemanden. Die paranoiden Verrückten sahen sich ständig von Außerirdischen und Agenten der Regierung verfolgt. Nur, warum sie dann ausgerechnet von der Polizei Hilfe erwarteten, verstand Diana nie. Wirklich schlimm waren nur die aggressiven und psychopathischen Verrückten. Sie stießen Menschen vor einfahrende U-Bahnen, begannen wegen einer Kleinigkeit eine Schlägerei, schlugen ihre Frauen und sagten danach, sie seien dafür nicht verantwortlich. Bei ihnen hoffte Diana immer, dass sie lebenslänglich in Sicherheitsverwahrung kämen.
Jörg deutete auf die vom Kellner noch nicht abgeräumten Wassergläser: "Neue Klienten?"
Diana hob leicht ihre Schultern und bewegte ihren Kopf leicht abwägend von links nach rechts und wieder zurück: "Eltern, die seit einem Monat ihren Sohn vermissen."
"Haben wir bereits nach ihm gesucht?"
"Ja."
"Dann lass es bleiben."
"Es geht nicht."
"Hm?"
"Leider."
"Na, dann. Wer hat bei uns die Ermittlungen geleitet?"
"Linus Schroff."
"Er ist eigentlich ein guter Mann. Nicht übereifrig, aber sorgfältig."
"Also?"
"Es sieht schlecht aus. Linus hat sicher alle offensichtlichen Spuren verfolgt und es kam nichts dabei heraus."
"Jörg, wir wissen doch beide, wie bei Vermisstenfällen vorgegangen wird."
Jörg nickte: "Wir haben halt viel zu tun. Und wenn ein Erwachsener abhaut und wir kein Hinweis auf ein Verbrechen â"
"Seine Leiche."
"Yep. Da hören wir uns um und warten ab. Aber ich werde ihm morgen sagen, dass du den Fall übernommen hast und er mit dir zusammenarbeiten soll."
"Danke."
"Wie heißt den der Vermisste?"
"Robert Brandt. Studierte an der Uni Verwaltungswissenschaft."
"Ich erinnere mich. Da haben wir doch sogar schon eine öffentliche Fahndung im Südkurier gemacht."
"Ja. Seine Eltern leben in Berlin."
"Und ein Berliner Ex-Kollege hat dich ihnen empfohlen."
"Genau."
Jörg schlang das Essen hinunter. Dabei unterhielten sie sich über die neuen CDs von Alexander von Schlippenbach. Er hatte zusammen mit der Band Die Enttäuschung das Gesamtwerk von Thelonious Monk eingespielt.


Axel Bussmer beim Ausbrüten feinteiliger Straftaten (rein literarischer Natur)
AXEL BUSSMER
iM INTERVIEW


(mit ULrike Duchna, Franka Plaschke und Barbara Keller im AREMA/Moabit
vom 31.07.2007...)


Kanzlei Hoenig